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Märchen- Bernd

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... dieses kleine Märchen schrieb unser Stadtgruppenmitglied Bernd Kreuzer auf,
als er noch keinen Schlangenverückten Partner (Michael) hatte.


Die Schlange, ein Märchen ohne Namen

Still war es, merkwürdig still, als sie aufwachte in diesem fremden Land. Sie begann sich zu räkeln und zu strecken und sie merkte nicht zum ersten Mal: "Meine Haut ist mir zu eng geworden, ja sie scheint mich in meiner Bewegung irgendwie zu behindern". Denn wenn sie durch das Unterholz kroch oder  auf der Jagd war, merkte sie, dass sie nur noch wie in Zeitlupe vorwärts kam. So mancher fette Bissen, der ihr vorher sicher war, war schneller und rettete so sein kleines Leben. Sie hatte schon Angst zum Gespött der anderen zu werden oder zu verhungern. So begann sie melancholisch oder gar depressiv zu werden.  Was, wenn nicht bald was geschah? Oder bildete sie sich das alles nur ein? Sie hatte das in ihrem Leben ja schon öfters durch gemacht, aber so intensiv wie dieses Mal...    

       Was war das? Sie erschrak, denn die Erde unter ihr bebte. Diesen Tritt hatte sie schon einmal erlebt, damals als, ja wann war denn das, sie muss noch sehr jung gewesen sein, also damals, als sie sich das erste Mal von zu Hause entfernte, um die Gegend zu erkunden, weil sie es nicht mehr aushielt in der Familie, weil sie es nicht erwarten konnte, erwachsen zu werden. Da war er wieder dieser Tritt, der so einmalig die Erde beben ließ und jetzt wusste sie auch, was und wer da auf sie zu kam. Es war der weiße und weise alte Bär, der von allen als Bäremit und Schutzgeist geachtet und verehrt wurde. Damals zeigte er ihr, mit Hilfe der für sie damals noch geheimnisvollen Tarotkarten den Weg zurück in ihren Lebensraum. In das Leben mit den Anderen, in dem jeder für jeden da ist. Während sie noch in den Bildern dieser Erinnerung gefangen war, stand ER plötzlich wieder vor ihr.

      Er war noch weißer geworden, sein Fell strahlte wie mit Silberfäden durchzogen und blendete ihre trüben, müden Augen. Bevor sie etwas sagen konnte, fragte er sie, ob sie ihm nicht die letzte Knospe einer weiße Rose aus dem Dornbusch holen könne. Denn wenn er es selber täte, würde er nur alles kaputt machen, und das muss ja nicht sein. Sie schaute sich den Busch genau an, sah aber keine Rose, oder doch, ganz weit oben erblühte ganz zart noch eine einzelne weiße Rosenknospe. Er hatte Recht, er würde diese Rose nie erreichen, aber sie mit ihrer, wenn auch eingeengten Gewandtheit könnte es noch schaffen, ohne den Busch zu zerstören, an diese letzte Knospe zu kommen, und außerdem hatte er ja auch noch was gut bei ihr.

   Obwohl sie sich eingeengt in ihrer Haut fühlte und ihre Augen immer trüber wurden, machte sie sich auf den beschwerlichen Weg. Es blieb nicht aus, dass sie sich trotz aller Vorsicht, an dem einen oder anderen    Dorn ritzte und auch leicht verletzte, aber das machte ihr in diesem Augenblick nichts aus.  Sie hatte ein Ziel. Es dauerte einige Zeit und der Weg über die Äste und Dornen war beschwerlich. Oft hatte sie das Gefühl, "ich schaffe es nicht" und wollte umkehren. Andererseits, je näher sie der nun schon leicht geöffneten Blüte kam, umso leichter fühlte sie sich. Wie sie dann endlich wieder mit der wunderschönen Rose unten ankam, war sie so sehr erschöpft, dass sie sofort einschlief.

   Als sie erholt erwachte, wusste sie nicht, ob sie Stunden oder Tage verschlafen hatte. Sie schaute sich um und sah, dass ihre alte Haut in Fetzen im Busch hing und sich die Ameisen schon ihren Teil holten. Als sie an sich herunter schaute sah sie, dass sie ein schöneres, weiteres Kleid anhatte.

Es ist manchmal gar nicht einfach, seine alte Haut los zu werden, auch wenn man (k)eine Schlange ist.   

Dieses kleine Tarot-Märchen soll allen Menschen Mut zu notwendigen Veränderungen machen und ist von mir zum Weitererzählen aufgeschrieben worden.

Nachspann;


    ... diese weiße Rose schenkte der alte Bär einem jungen Mann (Narr), der ihm, zufällig? über den Weg lief. Er war mit seinem geschnürten Bündel, das er an einem Wanderstock über dem Rücken trug und in der Begleitung seines wachsamen Hundes auf dem Weg, seine Welt neu zu erobern.

Euer Bernd Kreuzer / El Fantadu




 
 
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